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Was gehört auf einen Wartezimmer-Bildschirm?

Auf einen Wartezimmer-Bildschirm gehört etwas, das beruhigt, ohne Aufmerksamkeit zu verlangen: langsame Bewegung, natürliche Formen, sanfte Farben, kein Ton und kein Text, den man zu Ende lesen muss. Studien zu Aquarien, Pflanzen und Naturbildern zeigen, dass solche Bilder Wartende entlasten. Nachrichten und Werbung bewirken oft das Gegenteil.

Was heute auf Wartezimmer-Bildschirmen läuft

In vielen Praxen läuft Praxis-TV mit Gesundheitstipps und Hinweisen auf Leistungen, in anderen ein Nachrichtensender oder ein Naturfilm aus dem Internet. Informationen über die eigene Praxis haben ihren Platz. Die Frage ist, was ein nervöser Mensch in diesem Moment braucht. Wer auf eine Wurzelbehandlung wartet, liest selten gern etwas über Parodontitis.

Nachrichten sind im Wartezimmer die schwierigste Wahl. In einer britischen Studie machten negative Nachrichtenbeiträge die Zuschauer ängstlicher, und sie grübelten danach stärker über ihre eigenen Sorgen (Johnston & Davey 1997). Fernsehen im Wartezimmer kann also genau das verstärken, was Sie Ihren Patienten ersparen möchten.

Was die Forschung über ruhige Bilder weiß

Die bekannteste Studie stammt aus dem Jahr 1984. Roger Ulrich verglich Patienten nach einer Gallenblasen-Operation: Die eine Hälfte blickte aus dem Fenster auf Bäume, die andere auf eine Ziegelwand. Die Patienten mit Baumblick konnten früher nach Hause und brauchten weniger starke Schmerzmittel (Ulrich 1984).

Im selben Jahr untersuchten Katcher und Kollegen Patienten vor einer Zahnoperation. Wer vorher eine Weile ein Aquarium betrachtete, war messbar entspannter, ähnlich wie nach einer Hypnose (Katcher u. a. 1984). Spätere Messungen im National Marine Aquarium in Plymouth bestätigen das Bild: Beim Zuschauen sanken Puls und Anspannung (Cracknell u. a. 2016).

Für Ihre Praxis ist eine niederländische Studie besonders aufschlussreich. In einem Krankenhaus-Wartezimmer senkten echte Pflanzen den empfundenen Stress der Wartenden, und Poster mit Pflanzen wirkten ähnlich (Beukeboom u. a. 2012). Das Bild der Natur hilft also auch dann, wenn die Natur selbst nicht im Raum steht. Selbst während eines unangenehmen Eingriffs zeigt sich der Effekt: Patienten, die bei einer Lungenspiegelung auf ein Naturbild blickten und Naturgeräusche hörten, hatten ihre Schmerzen besser im Griff (Diette u. a. 2003).

Keine dieser Studien hat Videokunst untersucht. Sie zeigen aber, welche Eigenschaften eines Bildes Wartenden guttun.

Warum langsame Bewegung beruhigt

Die Umweltpsychologen Rachel und Stephen Kaplan haben dafür einen schönen Begriff geprägt: sanfte Faszination. Wolken, Wasser oder Blätter im Wind ziehen den Blick an, ohne Anstrengung zu verlangen. Der Kopf darf ruhen, während die Augen folgen (Kaplan 1995). Nachrichten, Texte und schnelle Schnitte fordern dagegen gerichtete Aufmerksamkeit, und genau die ist beim Warten schon erschöpft.

Langsame Bewegung lädt zum inneren Mitfließen ein. Sie regt die Phantasie an und lenkt die Gedanken sanft weg von der Angst vor dem, was gleich kommt.

Himmel an der Decke: virtuelle Fenster

Diese Erkenntnisse nutzen Hersteller virtueller Fenster und Himmel. Skyfactory etwa baut leuchtende Deckenpaneele und Fenster mit Himmelsmotiven für Kliniken und Behandlungsräume, auch dort, wo es kein echtes Fenster gibt. Der Gedanke überzeugt: Wer auf dem Behandlungsstuhl liegt, schaut an die Decke, und ein Himmel ist dort besser aufgehoben als eine Neonröhre.

Es müssen nicht immer Wolken sein

Wolken sind vertraut. Sie ziehen gleichmäßig, und nach einer Weile kennt das Auge ihren Rhythmus. Meine Videokunst geht einen Schritt weiter. Die Linien stammen aus handgezeichneter Neurographik und bewegen sich langsam wie Wolken oder Wasser. Dabei entstehen unerwartete Momente: Eine Form öffnet sich, eine Farbe wandert in eine andere, ein Muster taucht auf und löst sich wieder. So bleibt die sanfte Faszination lebendig, ohne dass etwas springt oder erschreckt.

Die Natur ist voller Muster, die sich im Kleinen wiederholen, etwa in Ästen, Farnen und Küstenlinien. Physiker Richard Taylor fand erste Hinweise, dass Menschen auf solche fraktalen Muster mittlerer Dichte mit weniger körperlichem Stress reagieren (Taylor 2006). Viele meiner Linien verzweigen sich auf ähnliche Weise. Das ist meine Beobachtung als Künstlerin, keine Studie über meine Werke.

Wolken und Videokunst haben das Wichtigste gemeinsam: Beide regen die Phantasie an, lenken von Angst und Stress ab und laden durch langsame Bewegung zum Mitfließen ein. Welches Bild besser zu Ihrem Haus passt, entscheiden Ihre Räume und Ihre Patienten.

Checkliste für Ihren Wartezimmer-Bildschirm

  • Langsame, fließende Bewegung ohne Schnitte
  • Natürliche Formen und sanfte Farben, keine grellen Kontraste und keine Blitze
  • Kein Ton am Bildschirm, Musik separat oder Stille (mehr dazu im Beitrag Musik im Wartezimmer)
  • Kein Text, den man zu Ende lesen muss
  • Ein nahtloser Loop, der nicht auffällt, wenn er von vorn beginnt
  • Eine gewerbliche Lizenz für Ihren Standort
  • Automatische Abschaltung am Bildschirm ausgeschaltet

Wie meine Loops in Wartezimmer, Spa, Hotel und Restaurant wirken, zeigt die Seite Räume. Formate und Lizenz finden Sie unter Lizenz & Formate.

Gefällt Ihnen, was Sie hier sehen? Ich zeige Ihnen gern, wie ein Loop in Ihrem Raum wirkt.

Quellen

  • Beukeboom, C. J., Langeveld, D. & Tanja-Dijkstra, K. (2012): Stress-reducing effects of real and artificial nature in a hospital waiting room. Journal of Alternative and Complementary Medicine 18(4), 329–333.
  • Cracknell, D. u. a. (2016): Marine biota and psychological well-being: A preliminary examination of dose–response effects in an aquarium setting. Environment and Behavior 48(10), 1242–1269.
  • Diette, G. B. u. a. (2003): Distraction therapy with nature sights and sounds reduces pain during flexible bronchoscopy. Chest 123(3), 941–948.
  • Johnston, W. M. & Davey, G. C. L. (1997): The psychological impact of negative TV news bulletins. British Journal of Psychology 88(1), 85–91.
  • Kaplan, S. (1995): The restorative benefits of nature: Toward an integrative framework. Journal of Environmental Psychology 15(3), 169–182.
  • Katcher, A., Segal, H. & Beck, A. (1984): Comparison of contemplation and hypnosis for the reduction of anxiety and discomfort during dental surgery. American Journal of Clinical Hypnosis 27(1), 14–21.
  • Taylor, R. P. (2006): Reduction of physiological stress using fractal art and architecture. Leonardo 39(3), 245–251.
  • Ulrich, R. S. (1984): View through a window may influence recovery from surgery. Science 224(4647), 420–421.